Die Bahngeschichte von Hans-Henning Korell

Eigentlich bin ich gar kein Bahnfahrer und eigentlich auch noch mehr kein Fan der öffentlichen Verkehrsmittel, ich nicht und das bislang. Für nützlich und notwendig halte ich sie schon und nun entdecke ich sie seit einiger Zeit zunehmend für mich als Erlebniswelt. Ich fahre zwar auch damit, aber vielmehr ist es das Drumherum, was mich schrittweise fast zu einem Fan werden lässt und ich genieße es. Was ich dort und dabei erlebe, müsste zusätzlich Gebühren kosten, Gesellschaftsdramen, zeitgenössische Geschichte, Komödien, Verkehrschaos live, Therapeutische Einzel und Gruppengespräche usw. Manchmal ist es kaum in Worte zu fassen und müsste in Bild und Ton festgehalten werden, aber das ist ja leider nicht erlaubt, oder zumindest grenzwertig. Stelle man sich mal vor, ich würde mein Smartphone zücken bei einer meiner Stories und einen Fahrgast, Schaffner oder sonstige Bahnmitarbeiter zu filmen, aber ich habe ja gar kein so ein Phone. Ich habe angefangen es zu versuchen mit kleiner Kamera, passiert ist noch nichts, noch nicht.

Mein Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat eine lange, vielseitige Vorgeschichte und reicht zurück bis in die 50er Jahre. Also für diejenigen mit Rechenschwäche, ich bin Jahrgang 1949 und somit jetzt 69 Jahre alt. Meine Erinnerungen gehen also bis ca. 1952 zurück, es kann auch 1951 sein, was aber nicht die große Rolle spielt. Nur weiß ich, dass ich noch mit meinen Eltern allein war, denn mein Bruder kam erst Ende 1952 dazu und das ist schon etwas wichtiger. Ob es meine erste Reise war kann ich nicht mehr sagen, nur dass ich mit meiner Mutter allein eine Zugreise gemacht habe, zu meiner Omi, der Mutter meines Vaters oder sie hat mich dort abgeholt. Geschätzt war ich drei Jahre alt aus meiner Erinnerung heute, interessant, dass ich das noch heute weiß. Gereist bin ich schon sehr früh, auch ganz allein, soweit ich das konnte.

An der Hand meiner Mutter enterte ich, auf einem Bahnhof zwischen Hannover und Göttingen muss das gewesen sein, den Wagen eines Reisezuges, damals noch mit schnaubenden Dampfloks, sehr spannend und abenteuerlich. Das mochte ich, damals schon und das Ganze im Dunkeln, Licht war noch Mangelware. Es war gerade mal 7Jahre nach Kriegsende. Die Türen waren sauschwer, öffneten nach außen und schlossen nicht von selbst, Fenster konnte man noch öffnen, indem man den oberen Teil parallel runter zog und darüber konnte man sich rauslehnen, z.B. zum Winken, knutschen, Gesicht mit Spucke von Mutti abwischen lassen, letzte Versorgungepakte reinreichen usw. Das stand aber nicht an, denn es war abends und ob es kalt war weiß ich nicht mehr, dunkel eben. Es gab auch keine Anzeigen zu Ziel, Uhrzeit, Haltestellen und den Ausdruck Handy hatte noch niemand erfunden, war erst Ende der 90er und so brauchte man, meine Mutter also, eine andere Auskunftsquelle, den Bahnschaffner. Ihm hatte sie unser Anliegen vorgetragen und er hatte zugesichert, wo wir am Ziel sein wollen rechtzeitig Bescheid zu geben zum Aus- oder Umsteigen, in Eschershausen im Weserbergland, heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum noch erreichbar und nur zu exklusiven Zeiten, z.B. Schultagen in Niedersachsen. Erinnern kann ich mich schon noch, dass der Schaffner es versprochen hatte, und ich hatte ein Gefühl, das ich heute als vertrauensbildend bezeichnen würde. Scheiße, weit gefehlt. Wir fuhren und fuhren, sehen konnte man nichts, nur meine Mutter wurde merklich unruhiger, auch für mich Dreikäsehoch spürbar. Sie war zwar nicht gebildet und auch irgendwie blauäugig, hatte aber so eine Art Rechenprogramm im Kopf wie Vxt = Weg, also so lange wie der Zug schon fuhr, multipliziert mal der damaligen Geschwindigkeit von ca. 55km/h mussten wir am Zielbahnhof lange vorbei sein. Ja, das bestätigte dann auch der Schaffner, der irgendwann mal wieder die Runde machte. Wo wir dann ausgestiegen sind, keine Ahnung "Fuchs+Hase Hbf." oder so. Von dort war kein Weiterkommen, vor allem um diese Zeit, welche auch das immer war. Der Vorschlag des Schaffners war, zurück! Zurück nach Hannover, wo ich noch nie vorher war, aber der einzige Bahnhof, wohin noch ein Zug ging. Meine Mutter außer sich, aber was blieb ihr mit mir anderes übrig, selbst dann, wäre sie allein, in Hannover. Auch damals galt Hannover nicht als besonders sexy, wie es K. Wowereit vielleicht formulieren würde.

Wir landeten also in Hannover und mussten dort irgendwie die Nacht verbringen. Das hat dann auch geklappt und meine einzige Erinnerung ist die Lampe im Zimmer, die ich heute als griechische Beleuchtung bezeichne, also 2 Drähte, Schraub-Fassung mit Glühbirne an der Decke in einem sehr ungemütlichen Zimmer. Man bedenke die Zeit, wo Gemütlichkeit noch sehr relativ war.

Wir sind am nächsten Tag irgendwie nach Hause gekommen, wie weiß ich nicht mehr, aber es sitzt bis heute. Es war meine erste Bahnstory, was mir damals natürlich noch nicht bewusst war, schon gar nicht, dass es 65 Jahre in mir Bestand haben wird und jetzt hier steht.

Angst hatte ich keine und das ist auch bis heute so geblieben. Nur dieses spannende Gefühl von ausgeliefert sein durch Abhängigkeit, das ist noch immer nicht ganz weg.

Es gibt noch viele mehr und die werde ich nach und nach hier hinzufügen, parallel zu neu erlebten Stories.

Nun aber erst einmal zu Geschichten aus der Neuzeit, also den 2000er Jahren.

Neuzeit: 2000er Jahre

Ich fange aktuell mal an bei dem, was mir so passiert ist jetzt in der 27.KW 2018 auf einer Reise von mir zuhause ins Rheinland und zurück. Zurück vor meiner Haustür war ich heute Nacht 8. Juli 02:Uhr+nochwas vom Hbf. Bremen mit dem Taxi, weil ich einen der letzten Nachtverbindungen nicht mehr erreicht habe. Das zahlt die Bahn.

Aber nun mal zurück auf Anfang, Mittwoch 4.Juli 2018.

Mit 2 Online-Tickets, erworben am 3.07.2018, reiste ich am 4.7. von Morsum nach Königswinter und am 7.7. zurück. Meine ausführliche Schilderung hat einen speziellen Grund, was im Beschwerdebrief an die Bahn zu finden ist.

Beim Eintreffen in Bremen am Hbf. zeigte bereits die Fließanzeige eine Verspätung des IC 2229 von 15Min. auf Gleis 7 an. Als ich nach 15Minuten wieder auf Gleis 7 zum Einsteigen ankam, war der Zug zwischenzeitlich abgefahren, ohne dass dieses angekündigt wurde, noch auf der Fließanzeige angezeigt war. Wann er abgefahren ist, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Ich frage mich seither, ob man bei Verspätungen auf dem Bahnsteig warten muss bis der Zug soweit abfahrbereit ist und wenn ja, wie lange? Ich hatte schon Verspätungen von 180++ Minuten, kürzlich auf dem Hbf.Verden. Da die Verspätung im jetzigen Fall schon so erheblich war, konnte ich schon gut 30 Minuten später den nächsten IC nehmen.

Soweit, so gut und da ich ein Flexpreis-Ticket für die Hinfahrt hatte, war das auch kein Problem und ich hätte hier kein Wort verloren oder Zeit für eine Beschwerde verplempert. Hätte ich ein Sparpreis-Ticket gekauft, wie bei der Rückfahrt am 7.7. hätte ich den Anschlusszug nicht erreicht und die Reiseverbindung wäre hinfällig geworden, da diese nur für die eingetragenen Reiseparameter gilt. Das führe ich hier aus dem Grunde aus, da es für meine weiteren Reisen eine wesentliche Rolle spielen wird, was aus dem Brief an die Bahn zu lesen ist. Dieses Schreiben enthält meine Bedingungen für Reisen mit der Bahn bei, die künftig Bestandteil meiner Reisedokumente sein werden. Zahlungen auf Reisen in den Bahnhöfen oder Zügen lehne ich auch zukünftig ab und werde weder Tickets nachlösen, noch „Das erhöhte Beförderungsentgelt“ als Strafe entrichten. Das ist solange gültig, bis es eine klare, angemessene Lösung vereinbart ist.

Mein Reiseziel den Bahnhof Königswinter-Oberdollendorf Nord erreichte ich nicht um 18:48 sondern kurz nach 20:00, kein Problem für mich und die Unterkunft, aber wozu dann die Planung. Zumindest konnte mir kein Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen vorgehalten werden.

Am Samstag, 7.7. trat ich meine Rückreise vom Bahnhof Königswinter Niederdollendorf an und statt mit STR66 mit RE8 nach Köln Hbf. nicht über Bonn-Hbf, sondern über Köln/Bonn Airport, um mit dem IC weiter Richtung Münster zu fahren. Hier am Hbf. Köln herrschte regelrechtes Chaos an Zugverbindungen und Verspätungen. Ein IC war auf der Anzeigentafel für 13:01 angezeigt, mit Zusatz 15Min Verspätung, für alle anderen waren Verspätungen für die Abfahrt auf der Leuchtanzeige zu sehen, die Ansagen verstand nicht mal ein Bahnmitarbeiter. Plötzlich verschwand dieser IC von der Tafel von der Anzeige, ohne dass er zu sehen oder abgefahren war. Das erkannte dann auch der Bahnmitarbeiter, der sehr freundlich war, leider habe ich nicht nach seinem Namen gefragt, ich wusste zu dieser Zeit ja noch nicht, was mir noch bevor stand. Dieser Mitarbeiter empfahl mir einen anderen IC, den IC 2200 der zwar auch mit Verspätung, aber in Kürze einfahren würde, auf der Abfahrtstafel gab es diesen nicht. Bis zum gebuchten IC2024 war noch 1 Stunde Zeit, aber ich folgte dem Hinweis des Bahnmitarbeiters gutmütig. Wann dieser dann abfuhr, weiß ich nicht mehr, es dürfte aber so gegen 14:00 gewesen sein und ich war froh, in einem Zug zu sein mit Ziel Münster als Zwischenhalt.

Die Freude dauerte jedoch nicht lange, als kurz vor Düsseldorf die Kartenkontrolle kam und ein junger Mann war der Ansicht, ich wäre nicht im richtigen Zug, ich hätte ein Sparticket. Ich geriet mit ihm in ein Streitgespräch wo ich ihm die Lage am Hbf. Köln erläuterte. Er hatte offensichtlich Migrationshintergrund, soweit ich das auf seinem Namensschild entziffern konnte, ob es eine Rolle in diesem Vorgang spielte kann ich nicht sagen, aber es wurde ziemlich hitzig, bis er mich aufforderte meinen Ausweis vorzuzeigen. Das war zu viel und da war er bei mir an den Falschen geraten. Ich drehte den Spieß um und sagte: “Nix da, jetzt sagen Sie mir zunächst Ihren Namen und zeigen mir Ihren Dienstausweis!“ Das lehnte er ab und drohte, die Bahnpolizei zu rufen, worauf ich erwiderte, nur los, vielleicht können die dann ja sein Namensschild lesen. Ein Kollege von ihm, mit Namensschild auf dem T. Kohlmeyer stand, konnte das nämlich auch nicht entziffern, den ich zwischenzeitlich mit in die Sache einbezogen hatte und der etwas peinlich berührt und bedröbbelt neben uns stand. Ich hatte mir inzwischen die Reste der Zeichen, die noch vom Namensschild erkennbar waren auf meine Fahrkarte gemalt, irgendwas mit „ E. ... „ (siehe Anlage pdf-scan) und er wollte nun nochmals mein Ticket sehen. (Fotos habe ich leider nicht gemacht, wäre sicher spannend geworden) Bei der Rückgabe hatte er handschriftlich zugefügt: „Fahrtausschluss von IC 2200“ und stürmte los. Ich vermutete Bahnpolizei, nein er kam ohne wieder und forderte mich auf in Düsseldorf-Hbf. auszusteigen. Ich folgte dem, denn er hat ja Hausrecht, habe mich aber hinterher geärgert, über mich selbst. Es wurde eine lange Reise ohne IC. Nach Zwischenhalt in Münster und Weiterfahrt über Osnabrück nach Bremen war ich dann nachts um 1:11 in Bremen Hbf. Alle Anschlüsse waren weg, bzw. es fuhren die nächsten Morgens ab vier Uhr. Ich nahm ein Taxi nach Hause und kam kurz nach zwei an.

Träwiling wisz Deutsche Bahn, nou Szänk ju! – Aber es war auch lustig, für mich und die Zuschauer. Ich werde aber wohl weiter Bahn fahren, denn Reisen bildet, Urlaub nicht! Das gilt auch für Reisen mit der Bahn. Hier aber wird ein Beschwerde und Erstattungsantrag in Gang gebracht.

Ich erwarte von der Bahn und das steht auch in dem Beschwerdeschreiben:

  1. zunächst die Nennung des Namens Ihres MA und
  2. eine Entschuldigung für das unmögliche Verhalten des MA,
  3. eine Entschädigung 50,00€ für die verspätete Ankunft zuhause um 5 Stunden und
  4. Erstattung von mind. 50% des Fahrpreises 29,00€ = 14,50€
  5. Erstattung der Taxikosten von 45,00€
  6. Auszahlung von 24,00€ Verpflegungsmehraufwand bei Abwesenheit > 24Stunden

Forderungssumme: 133,50 €

Der Ersatz für den Bus 750, der mich um 21:09 zuhause für 3,55€ fast vor der Tür hätte abgesetzt hätte, kostet nun ein Vielfaches, fast 13-fach. Für mein Ticket insgesamt mit Bahncard 50 habe ich nur 56,50€ bezahlt und mal sehen, was nun die Bahn ausspuckt.

Das ist ein Scheißgeschäft, das der Mitarbeiter der Bahn da eingebrockt hat, und für mich eine Story, diese. Die vielen kleinen Geschichten während der Fahrt lasse ich hier mal weg, aber künftig werde ich sie auch aufschreiben.

Beschwerdeschreiben an die Deutsche Bahn

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Online-Ticket der Deutschen Bahn

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TBNE Fahrgastrechte-Formular der Deutschen Bahn

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